Es gibt mehr Möglichkeiten zu grillen, als das Essen einfach direkt über die Glut zu legen und auf das Beste zu hoffen. Wenn du den Unterschied zwischen direktem und indirektem Grillen, Zwei-Zonen-Grillen, Reverse Sear und Low & Slow kennst, wird dein Grill deutlich vielseitiger.

Das sind die Methoden, die ich immer wieder benutze – sowohl auf dem Holzkohlegrill als auch auf dem Gasgrill.

Direktes Grillen

Direktes Grillen bedeutet, dass das Grillgut genau über der Hitzequelle liegt: über glühender Kohle oder einem eingeschalteten Gasbrenner.

Das ist die richtige Methode, wenn du hohe Hitze, eine schnelle Kruste und eine relativ kurze Garzeit willst.

Passt gut zu:

  • Hamburgern
  • dünneren Steaks
  • Würstchen
  • Gemüse
  • Garnelen und kleineren Fischstücken
  • dünnen Koteletts und Scheiben vom Schweinenacken

Auf dem Holzkohlegrill baust du ein ordentliches Glutbett auf und grillst direkt darüber. Auf dem Gasgrill grillst du über dem eingeschalteten Brenner.

Der große Fehler ist, direktes Grillen für alles zu verwenden. Ein dickes Stück Fleisch kann eine perfekte Kruste haben und innen trotzdem roh sein – oder du verbrennst die Außenseite, bevor das Innere fertig ist.

Indirektes Grillen

Indirektes Grillen ist das Pendant des Grills zum Backofen. Das Grillgut liegt nicht direkt über der Hitzequelle, sondern wird bei geschlossenem Deckel von der heißen Luft im Grill gegart.

Auf dem Holzkohlegrill legst du die Kohle seitlich vom Grillgut. Auf dem Gasgrill zündest du einen oder mehrere Brenner an und legst das Grillgut über eine ausgeschaltete Zone.

Passt gut zu:

  • ganzes Hähnchen
  • größeren Braten
  • Ribs
  • Schweinenacken am Stück
  • Lammkeule
  • größeren Fischen
  • allem, was länger braucht als ein kurzes Grillen

Hier eine der alten Illustrationen aus der Anleitung:

Indirektes Grillen mit Hitze an den Seiten und dem Grillgut in der Mitte

Nimm am besten ein Thermometer. Unsere aktualisierte Anleitung zur Kerntemperatur für Fleisch, Hähnchen und Fisch macht es deutlich leichter zu erkennen, wann das Essen wirklich fertig ist.

Zwei-Zonen-Grillen – meine Standardmethode

Das Zwei-Zonen-Grillen, manchmal auch 50/50-Methode genannt, empfehle ich fast jedem, der am Grill besser werden will.

Du richtest den Grill einfach so ein:

  • eine heiße Zone zum direkten Grillen und für die Kruste
  • eine kühlere Zone zum indirekten Garen

Auf dem Holzkohlegrill legst du die gesamte Kohle auf eine Seite. Auf dem Gasgrill lässt du einen Teil der Brenner ausgeschaltet.

So kannst du über hoher Hitze beginnen und das Grillgut zur Seite schieben, sobald die Kruste gut ist. Oder du machst es umgekehrt: das Fleisch schonend auf der indirekten Seite garen und zum Schluss über brutaler Hitze abschließen.

Außerdem ist es ein Sicherheitsventil. Wenn etwas aufflammt, ziehst du das Grillgut einfach in die kalte Zone, statt gegen das Feuer zu kämpfen.

Reverse Sear – erst indirekt, zum Schluss die harte Kruste

Reverse Sear ist im Grunde Zwei-Zonen-Grillen mit umgekehrter Reihenfolge.

  1. Gare das Fleisch langsam bei indirekter Hitze.
  2. Lass die Kerntemperatur sich deinem Ziel annähern.
  3. Schließe über sehr hoher direkter Hitze ab, um eine ordentliche Kruste zu bekommen.

Die Methode ist fantastisch für dicke Entrecôte (Ribeye), Rumpsteak, Tomahawk und andere größere Fleischstücke, weil du einen viel gleichmäßigeren Gargrad von Rand zu Rand bekommst.

Wenn du richtig tief in die Details einsteigen willst, haben wir eine eigene Anleitung zu Reverse Sear.

Low & Slow

Low & Slow bedeutet genau das, wonach es klingt: niedrige Temperatur und lange Zeit. Es ist das Herzstück klassischer BBQ.

Hier reden wir oft von etwa 105–135°C im Grill oder Smoker, je nach Rohware, Ausrüstung und Methode.

Passt perfekt zu:

  • Brisket
  • Pulled Pork
  • Beef Ribs
  • Spareribs
  • anderen Stücken mit viel Bindegewebe, die Zeit brauchen, um zart zu werden

Hier spielen Räucherholz, stabile Temperatur und Geduld eine große Rolle. Das Fleisch ist nicht automatisch fertig, nur weil es eine bestimmte Kerntemperatur erreicht hat – bei Brisket und Pulled Pork ist die Zartheit mindestens genauso wichtig.

Snake-Methode – lange Grillzeit im Kugelgrill

Hast du einen normalen Kugelgrill und willst lange Low & Slow grillen, ist die Snake-Methode einer der cleversten Kniffe.

Du legst einen langen Bogen oder eine „Schlange“ aus Briketts am Rand des Grills entlang. Du zündest nur den Anfang der Schlange an und lässt das Feuer langsam weiterwandern. So kann ein normaler Kugelgrill über viele Stunden eine relativ stabile niedrige Temperatur halten.

Wir haben eine eigene Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Snake-Methode.

Zirkuläres Grillen

Zirkuläres Grillen ist vor allem auf dem Holzkohlegrill nützlich. Die Briketts werden als Ring um den äußeren Rand gelegt, während die Mitte frei bleibt.

Zirkuläres Grillen mit Kohle rund um den äußeren Rand

So entsteht indirekte Hitze von mehreren Seiten. Das funktioniert gut, wenn du den Grill eher wie einen Backofen nutzen willst, zum Beispiel für:

  • Pizza
  • Brot
  • ganzes Geflügel
  • größere Braten

Direkt + indirekt ist der Schlüssel

Wenn du aus dieser Anleitung nur eine Sache mitnimmst, dann diese: Baue fast immer mindestens zwei Temperaturzonen auf.

Du bekommst mehr Kontrolle, weniger verbrannte Abendessen und die viel bessere Möglichkeit, das Grillgut umzusetzen, wenn etwas zu schnell geht. Es ist eine der einfachsten Veränderungen, mit denen du von „ich grille ab und zu“ dahin kommst, das Grillen tatsächlich zu steuern.

Schnellübersicht: Welche Grillmethode soll ich wählen?

Grillgut Methode
Hamburger, Würstchen, dünnes Steak Direktes Grillen
Dickes Steak / Tomahawk Zwei-Zonen oder Reverse Sear
Ganzes Hähnchen Indirektes Grillen
Ribs Indirekt / Low & Slow
Brisket Low & Slow
Pulled Pork Low & Slow
Pizza und Brot Indirekt / zirkulär bei hoher Hitze
Gemüse Direkt oder Zwei-Zonen je nach Größe
(Visited 1 times, 1 visits today)